Anna Modersohn und Christian Modersohn, um 1988

Anna Modersohn und Christian Modersohn,
um 1988
Christian Modersohn, November 2009

Christian Modersohn, November 2009
O T T O   M O D E R S O H N   M U S E U M

Pressetext vom 28.12. 2009


Christian Modersohn ist tot

Am Heiligen Abend verstarb Christian Modersohn.
Christian Modersohn, geboren am 13. Oktober 1916 in Bremen, war der jüngste Sohn von Otto Modersohn. Christian Modersohn verbrachte seine Jugend in Fischerhude, unter dem prägenden Eindruck des Spätwerks seines Vaters und im Allgäu, wo seine Mutter Louise Modersohn-Breling am Gailenberg bei Hindelang einen alten Bauernhof als Zweitwohnsitz bewirtschaftete.

Er wurde wie sein Vater und sein älterer Bruder Ulrich Maler, studierte an der Nordischen Kunsthochschule in Bremen und der Kunstakademie in München und wurde 1939 zum Kriegseinsatz eingezogen.
Viele Aquarelle und Zeichnungen bezeugen nachhaltig den unvergesslichen Eindruck, den das Kriegsgeschehen, die russische Landschaft und die menschlichen Begegnungen in ihm hinterlassen haben.

1943 wird zum Schicksalsjahr für Christian Modersohn und seine Familie.
Am 10. März stirbt sein Vater, am 14. Juli fällt sein Bruder in Rußland und am 5. August wird seine Cousine Cato Bontjes van Beek von den Nazis hingerichtet. Das Kriegsende erlebt er in Fischerhude, wo er es nicht verhindern kann, dass der Nachlass seines Vaters durch englische Soldaten zu einem großen Teil zerstört wird.

1946 zieht Christian Modersohn zu seiner Mutter ins Allgäu, lernt dort seine spätere Frau Anna Lipp kennen und richtet in der Diele des Bergbauernhofs eine erste Familiengalerie ein. Die Bergbilder seines Vaters finden ein Forum, aber auch das westfälische Frühwerk, die Worpsweder Bilder und das Fischerhuder Spätwerk werden hier in ersten Ausstellungen thematisiert.

1957 folgt dann der Abschied vom Allgäu. Das Haus wird verkauft und ein neues in Fischerhude gebaut, auf einer Eichenwiese, die Christian Modersohn bald nach dem Tod seines Vaters erwerben konnte.

Mit den von Christian Modersohn initiierten Ausstellungen zum hundertsten Geburtstag seines Vaters in den Jahren 1965/66 wächst auch zunehmend das Interesse an einer ständigen Präsentation dessen Werkes. 1974 ist es dann soweit: In einer wieder aufgebauten Fischerhuder Fachwerkscheune errichtet Christian Modersohn den ersten Abschnitt des sich später durch weitere Anbauten vergrößernden Otto Modersohn Museums.
Ausstellungen in der Worpsweder Galerie Netzel und im Otto Modersohn Museum bewirken 1977 einen Rezeptionswandel der Malerei Otto Modersohns. Der zur Ausstellung erscheinende Katalog ist binnen weniger Wochen vergriffen, weitere Ausstellungsstationen sind in den folgenden Jahren der Kunstverein Hannover, das Westfälische Landesmuseum in Münster, das Szépmüvészeti Múzeum in Budapest und das Künstlerhaus in Wien.

In den Abendstunden dieser Jahre sieht man Christian Modersohn, bepackt mit Staffelei und Malzeug zur Wümme ziehen. Es entstehen in den 70ger bis 90ger Jahren großartige Darstellungen dieser Landschaft. Christian Modersohn bevorzugt von Jugend an das Aquarell, eine Technik, die eine hohe handwerkliche Fertigkeit voraussetzt und keine technischen Fehler verzeiht. Wie kaum ein anderer Maler seiner Generation hat er diese Technik zu wahrer Meisterschaft entwickelt.
Christian Modersohn hat etwas sehr seltenes vollbracht: Neben dem Einsatz für das große Werk seines Vaters war ihm die Entwicklung eines eigenen künstlerischen Werkes vergönnt, das in seinen besten Beispielen einzigartig ist.
Erst vor wenigen Wochen zeigte - mit nicht überraschendem Erfolg - die Worpsweder Galerie Cohrs-Zirus einige ausgewählte Arbeiten aus dem Lebenswerk Christian Modersohns, der bis in dieses Jahr noch an der Staffelei tätig war.

Auch Ehrungen wurden ihm zuteil: die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse anlässlich seines 85. und die Namensgebung "seines" Weges zur Wümme anlässlich des 90. Geburtstages.

Legendär sind seine Führungen durch das Otto Modersohn Museum, die nicht nur den Kosmos des Modersohnschen Kunstverständnisses umrissen, sondern auch mit Lebensweisheiten, Anekdoten und philosophischen Sentenzen gespickt waren. Jeder, der an einer solchen Führung teilnahm, fühlte sich bereichert und von seinem Charme angerührt.
Zu berichten wäre noch vom unterhaltsamen Gastgeber, vom lebensbejahenden Familien- und Genussmenschen, vom Musiker, der auch zu vorgerückter Stunde noch mit einem Nocturne von Chopin seine Gäste begeistern konnte und vom Großvater, der seinen neun Enkeln stets ein altersmildes Vorbild war.
Mit Christian Modersohn verliert Fischerhude einen Universalisten mit zahlreichen Talenten und einzigartiger Persönlichkeit, ein Urgestein! Man vermisst ihn schon jetzt.